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Überfürsorglichkeit hemmt Entwicklung.





Überfürsorglichkeit ist eine Form der Erziehung, bei der die Bezugspersonen annehmen, die Bedürfnisse des Kindes schon zu erspüren, bevor das Kind sie “erleiden” muss und auch schon genau meinen zu wissen, was jetzt das Richtige dagegen ist. Es werden hier die eigenen Bedürfnisse mit denen des Kindes gleichgesetzt und nach eigenem Ermessen befriedigt. Das was also oft wie besondere Empathie (ich reagiere schneller als alle anderen auf das was du - scheinbar - brauchst) ist in Wirklichkeit die Projezierung der eigenen Bedürfnisse auf das Kind und die darauffolgende Regulierung dieser Bedürfnisse. Die Mutter wertet sich darüber auf, das Kind besonders gut zu umsorgen und zu schützen. Das Kind hat keine Möglichkeit ein eigenes Gespür für sich zu entwickeln - es kann die eigenen Emotionen und Bedürfnisse auch nicht von denen des Gegenübers unterscheiden, da diese immer gleichgesetzt wurden. Auch kann es keine eigenen Erfahrungen machen, was es sich auch gar nicht zutraut. Sie lernen sich selbst nicht kennen und nicht für sich selbst zu sorgen. Somit verharren sie in der Abhängigkeit zur Bezugsperson - die ja sowieso am besten weiß was sie brauchen.

Diese Kinder reagieren häufig mit körperlicher Symptomatik und Rückzug aus sozialen Kontakten (z.B. zu Gleichaltrigen). Die soziale Ängstlichkeit entsteht, weil sie nicht das Gefühl haben, Beziehungen mitgestalten zu können. Sie fühlen sich dem Gegenüber ausgeliefert und haben Schwierigkeiten sich selbst in Anwesenheit anderer zu spüren.


Hierzu mal wieder ein Praxisbeispiel: Meine Klientin hat als Kind erlebt, alle Freiheiten und wenig Grenzen bei ihren Eltern zu erfahren. Es habe damals niemanden so wirklich interessiert, was sie macht oder wann sie nach Hause komme. Das habe besonders als Jugendliche natürlich seine Vorteile gehabt, jedoch habe sie sich immer irgendwie allein gelassen und unwichtig gefühlt. Bei ihrem Sohn (15) will sie nun alles anders machen.

Die Idee, Dinge anders zu machen als die eigenen Eltern, ist erstmal ja nichts Schlechtes. Häufig jedoch fallen die Betroffenen in das entgegengesetzte Extrem. Meine Klientin ist als Mutter überängstlich und überfürsorglich = übergriffig. Sie nimmt ihrem Sohn alles ab, erledigt seine Pflichten mit ihm zusammen und versucht ihn vor jeder Herausforderung zu bewahren.

Ihr Sohn leidet an chronischen Schmerzen und verweigert den Schulbesuch, sowie alle anderen Aktivitäten, für die er sich aus seinem Zimmer herausbewegen müsste. Der überängstlichen Mutter kommt das zum Teil auch gelegen: in seinem Zimmer ist er sicher und nicht zu weit weg von der Mutter, die sich den Sohn durch Überfürsorge zu eigen gemacht hat. Kontakte zu Gleichaltrigen bestehen keine. Unbewusst übernimmt der Jugendliche die Ängste seiner Mutter und bevorzugt es daher, sich zu Hause aufzuhalten. Das Kind spürt also, dass es die Mutter nicht verlassen darf und schränkt sich damit (unbewusst) in seinen Autonomiebestrebungen ein. Die chronischen Schmerzen können als eine Konfliktlösung verstanden werden: Sich gegen eine besonders umsorgende Mutter aufzulehnen ist fast unmöglich, da sie ja keine Fläche dazu bietet (sie will doch nur das Beste!). Die nicht zum Ausdruck gebrachten Emotionen (z.B. Wut) äußern sich körperlich. Außerdem sichern die Schmerzen ihm Zuwendung der Mutter, die sich dadurch gebraucht fühlt und sie ermöglichen es dem Jungen häufig zu Hause zu bleiben. Auflehnung und Ablösung gehören in der Pubertät zur normalen Entwicklung. Kann dies nicht stattfinden, entsteht ein Konflikt. Die Konfliktlösung ist häufig eine Störung, um die Beziehung nicht zu gefährden. Diese Konflikte sind auflösbar!


Möchten Sie lernen, wie Sie Ihrem Kind einen angemessen Rahmen aus Freiheiten und Struktur bieten oder wie Sie selbst Sozialkontakte als angenehm erleben können? Gemeinsam finden wir einen Weg!

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