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"Du verstehst mich immer falsch!" Wie kommunikation in der partnerschaft gelingen kann


Warum verstehen wir uns häufig falsch?

In der Kommunikation unter Menschen, ergibt sich häufig ein “Sender-Empfänger”-Problem. So wie Sie etwas meinen, das Sie sagen, wird es nie beim Gegenüber ankommen. Denn Ihr Partner (Freund, Arbeitskollege usw.) hört Ihre Aussagen durch sein eigenes Ohr. Dieses Ohr ist geprägt von seinen Erfahrungen. Diese Erfahrungen prägen die individuellen Ängste, Bedürfnisse und Antriebe eines jeden Menschen.

Beispiel: Ihr Partner kommt schlecht gelaunt von der Arbeit und motzt herum. Was er Ihnen vielleicht eigentlich sagen möchte:”Ich hatte einen stressigen Tag, bin schlecht drauf und möchte mich einfach ein bisschen auskotzen.” Was Sie verstehen: “Ich bin schlecht drauf und du bist dafür verantwortlich!” Sie fühlen sich schuldig und geraten selbst unter Stress. Reagieren vielleicht mit Wut, warum er Ihnen Vorwürfe macht oder mit Überaktionismus, um Ihren Partner schnell wieder aufzumuntern. Ein Streit entsteht.

Um diese oder ähnliche Situationen zu vermeiden ist es wichtig, seine eigenen Trigger zu kennen, um sich selbst ertappen zu können und die Emotionen, die jetzt aufkommen, nicht mehr ausagieren zu müssen. Das bedeutet bei sich bleiben und bemerken, dass diese Emotionen nicht Ihrem Partner gebühren. Sie gehören in eine viel frühere Zeit, in der Sie z.B. häufig die Verantwortung für das Befinden eines Elternteils übernehmen mussten.

Machen Sie sich bewusst, dass Sie nicht für die Gefühle eines anderen erwachsenen Menschen verantwortlich sind.

Und machen Sie sich auch bewusst, dass ein Gegenüber nicht wissen kann, was eine Aussage in Ihnen auslöst. Genauso wenig, wie Sie wissen können, wie genau das Gegenüber seine Aussage gemeint haben könnte. Das macht die offene Kommunikation in Beziehungen so wichtig. Wir müssen versuchen den anderen mitzunehmen - hierfür bietet sich allerdings eine Situation an, in der keiner von beiden sich in besonderer Aufruhr befindet. Denn sonst laufen Sie Gefahr, sich nicht verstanden zu fühlen, da Ihr Partner in seiner Situation gar nicht empfänglich ist. In der ruhigen Interaktion haben Sie jedoch die Möglichkeit, Ihren Partner kognitiv und emotional zu erreichen, um ihm die Landkarte Ihrer Emotionen zu erklären. Es ist also wichtig, den eigenen Anteil zu erkennen, indem Sie versuchen sich selbst von außen und den anderen von innen zu betrachten. So sind beide in der Lage, den Partner neu zu erleben.

Eine weitere Barriere der Kommunikation sind die sekundären Emotionen, die die primären Emotionen überdecken.

Primäre Emotion: Die erste emotionale Reaktion auf einen Stimulus. Meist ist dies ein verletzliches Gefühl wie Angst oder Traurigkeit. Oft wird dieses Gefühl nicht (mehr) bewusst wahrgenommen, sondern blitzschnell und automatisch von einem sekundären Gefühl überdeckt.

Sekundäre Emotion: Die emotionale Reaktion, die auf ein primäres Gefühl folgt. Dieses dient dazu, das eigene Gefühl von Angreifbarkeit / Verwundbarkeit zu reduzieren und gibt somit zumindest vorläufig ein Gefühl von Sicherheit und Erleichterung.

Beispiel: Eine Ehefrau fühlt sich von Ihrem Mann nicht geachtet und allein gelassen, weil dieser sich übermäßig viel mit der Arbeit beschäftigt. Anstatt Ihr eigentliches Bedürfnis nach Nähe und Zuwendung, mit den dazugehörigen Emotionen, wie Trauer, Einsamkeit, Verletzung, zu äußern, macht sie ihm wütende Vorwürfe und behandelt ihn abweisend. Der Ehemann fühlt sich abgewiesen und beschuldigt und geht in die Defensive. Beide distanzieren sich und fühlen sich unverstanden. Die Frau hat genau das Gegenteil von dem bewirkt was sie sich eigentlich gewünscht hat. Sie hat ihrem Partner keine Chance gegeben, sich auf Ihre Bedürfnisse einzulassen, weil sie ihm diese gar nicht erst gezeigt hat.

Der Gedanke, dass unser Gegenüber uns schon irgendwie versteht und unsere Wünsche und Bedürfnisse errät, mag sich romantisch anfühlen, ist aber vor allem unreif und unfair. Im kleinen Detail gibt es den gesunden Menschenverstand nicht. Ich persönlich bin der Überzeugung, dass er im Großen und Ganzen existiert: bei der Unterscheidung von richtig und falsch und der Identifizierung von universellem Unrecht. Doch wenn es zur Individualität zweier Menschen kommt, dürfen wir niemals davon ausgehen, dass der andere uns schon irgendwie, ohne Erklärung versteht.

Nur wenn beide zur Reflexion und Entwicklung bereit sind, kann Beziehung gelingen. Andernfalls verharrt einer der beiden in seinem möglicherweise destruktiven Beziehungsmuster - hier bleibt dem Gegenüber dann nur die Wahl zwischen: der Anpassung oder dem Verlassen der Beziehung.

Mit meinem Coaching möchte ich Interaktionen fördern, die zu emotionaler Verbindung und zu mehr Bindungssicherheit führen.

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